#Dashiki - Wieso Instagram für mich Black Empowerment bedeutet

Autorin Luana im Urlaub, (C) Luana Tavares

Autorin Luana im Urlaub, (C) Luana Tavares

Personal Thoughts / Opinion

Melanin in meinem Insta-Feed
Vor einigen Tagen ist es mir so wirklich bewusst geworden: Mein Insta-Feed ist so *Schwarz, voller Melanin und ich liebe es! Ob Interior Designer**, Maler, Sänger, Yogalehrer, Fitness/Workout, ob Millionen oder 80 Follower: Wenn ich mag was du machst und du Schwarz bist, folge ich dir. Ich möchte dich auf meinem Insta-Feed weil ich dich in meinem Leben vermisst habe. Wirklich sehr vermisst, fast mein ganzes Leben lang.

Irgendwie landete ich nach dieser Selbsterkenntnis und der Frage “aber wieso?” in einer Zeitkapsel, in der Vergangenheit: Ich erinnerte mich daran, wie ich vor ca. 15 Jahren in der Oberschule mit einem Wax-Print Oberteil, das mir meine Tante aus Guinea-Bissau geschenkt hatte, zur Schule ging und meine Schulkameraden meinten, es sei “so bunt" und “wie ein Clownkostüm”. Das waren nur einige der abwertenden Kommentare. Weil meine Tante die Coolste ist, hatte sie mir das gleiche Oberteil in mehreren Farben geschenkt. Natürlich habe ich darauf bestanden, dieses am nächsten Tag nochmal anzuziehen, als kleiner Protest gegen meine kurzsichtigen und voreingenommenen Mitschüler.

Fehlende Repräsentation überall
Ich konnte mich in der Schule schon immer gut gegen blöde Sprüche meiner Mitschüler wehren, ob verbal oder nonverbal, und auch wenn ich schon als Kind auf meine Herkunft und Kultur stolz war, hat es mich einfach immer genervt, dass weder in der Werbung noch im TV Menschen abgebildet waren, die aussehen wie ich. Alles was in den Medien über Schwarze gezeigt wurde, wurde in einen negativen Kontext gestellt.

Umso wichtiger war es für mich, meinen nicht-Schwarzen Freunden regelrecht zu beweisen, dass Schwarz sein nichts Negatives ist und wir mehr können als “tanzen und singen”. Denn ich kann nicht mal singen, und das wussten meine Mitschüler aus dem Musikunterricht, trotzdem habe in meiner Schulzeit mindestens hundert Mal gehört “bitte bitte tanz mal kurz wie Beyoncé, nur kurz”... Und ich habe es nie getan und ihr könnt euch nicht vorstellen, wie stolz ich heute darauf bin nie nachgegeben zu haben

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“Jetzt scrolle ich durch meinen Insta-Feed und ich liebe es zu sehen, wie wir alle den Globus bereisen, unsere Geschichte erforschen… Wir teilen mit der Welt, dass wir Träume haben und uns die Erfüllung dieser hart erkämpfen.”

Lieber berichtete ich gerne und viel über mein Leben außerhalb der Schule: Am ersten Tag nach den Sommerferien gab ich mir immer die größte Mühe zu erzählen, wie toll meine Sommerferien waren (so toll waren die manchmal echt nicht aber das musste ja keiner wissen). Ganz nach dem Motto: “Merkt euch, ‘wir Schwarzen’ machen auch tolle Erfahrungen, wir reisen, ich gehe mit meiner Mutter ins (Kinder-)Theater, wir sind nicht am verhungern”. Ich erinnere mich, wie ich meinen Freunden zu Hause stolz die vielen Urlaubsbilder zeigte.

Autorin Luana im Urlaub, (C) Luana Tavares

Autorin Luana im Urlaub, (C) Luana Tavares

Ich fühlte mich damals als Kind wie eine kleine “Anwältin der Schwarzen”. Und viele meiner Schwarzen Freunde, wie ich erst später erfuhr, taten dem gleich.

Das war uns vielleicht nicht wirklich bewusst, aber wir haben alle den Druck verspürt zu zeigen und zu beweisen, dass an unserer Herkunft nichts schlechtes ist. Und diese Selbsterkenntnis hatten wir Schwarzen Kids nur, weil sie Teil unserer persönlichen Erfahrungswelt war. Nirgendwo sonst, außer in unserem Zuhause, konnten wir Jugendliche sehen, die so aussahen wie wir. Deshalb waren Serien wie "Fresh Prince", "Moesha" oder "Alle unter einem Dach" von so großer Bedeutung.

#Dashiki goes worldwide
Heute bin ich 30 und gehöre zu den Menschen, die ständig darüber meckern, dass Instagram unsere Gesellschaft “so oberflächlich macht” (ich weiß, darüber lässt sich streiten) aber jetzt muss ich auch zugeben: Ich denke, dass Social Media einen großen Einfluss auf den positiven Wandel in der Schwarzen Community hat.

Jetzt scrolle ich durch mein Insta-Feed und ich liebe es zu sehen, wie wir alle den Globus bereisen, unsere Geschichte erforschen und nach Gizeh und Goré reisen. Wir teilen mit der Welt, dass wir Träume haben und uns die Erfüllung dieser hart erkämpfen. Durch Instagram habe ich viele spannende Schwarze Blogger, lehrreiche und witzige Podcasts sowie 60 Sekunden Makeup-Tutorials für meine Hautfarbe und Haar-Tutorials für meine Haarstruktur entdeckt. Selbst mein damaliges “Clownskostüm” finde ich heute tausendfach unter #Dashiki.

Eine Liebeserklärung
Hey, Schwarze Instagram Community da draußen: Ich habe euch so lange gesucht. Euch in meinem Feed zu sehen macht mich glücklich! Es ist wie eine Traumabewältigung, wenn man es ganz drastisch ausdrücken will. All die Jahre habe ich gewusst, dass WIR existieren, dass es unfassbar viele junge Schwarze Menschen gibt, ich habe euch aber nicht sehen dürfen, weil sich die Mehrheit der Menschen in der Gesellschaft in der ich lebe, nicht mit euch identifizieren kann.

Autorin: Luana Tavares


*Ich schreibe, wie Anne Chebu in ihrem Buch “Anweisungen zum Schwarzsein” das Wort Schwarz groß weil “»Schwarz« keine Farbe ist, sondern eine politische Bezeichnung, ein selbst gewählter Eigenname, wird es groß geschrieben. Dies soll deutlich machen, dass Schwarz sein eben keine Eigenschaft ist. Wenn du Schwarz groß schreibst, zeigst du, dass Schwarz sein mehr ist als die Hautfarbe.“ (S. 35)

**Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird im Text nur die männliche Form gewählt. Nichtsdestoweniger schließen die Angaben sowohl weibliche, diverse und Transgender-Personen mit ein.