Im Interview mit Luisa - Gründerin von YOGA KONGA

Luisa Konga, Gründerin von YOGA KONGA, Foto by  Bastian Hessler

Luisa Konga, Gründerin von YOGA KONGA, Foto by Bastian Hessler

CURL Convention / Business

In knapp zwei Monaten findet die erste CURL Convention im Säälchen in Berlin statt. Wir haben uns mit der bewundernswerten und vielbeschäftigten Frau Luisa Konga zusammengesetzt. Sie ist die Gründerin von YOGA KONGA, einer Yogamarke, die auf der CURL mit der ersten Kollektion an den Start geht.


Du launcht diesen Herbst YOGA KONGA. Was hat es mit YOGA KONGA auf sich?

Wie der Name sagt, geht es bei YOGA KONGA um Yoga - sowohl das indische Yoga, aber auch Kemetic Yoga - außerdem um afrikanische Färbetechniken, Nachhaltigkeit und Empowerment. Fürs Erste wird es zwei verschiedene Bras, drei Yogapants in unterschiedlichen Längen, einen Overall und eine Yogamatte geben, auf die ich mich besonders freue. YOGA KONGA wird nach Black und nach Excellence aussehen.

Yoga ist mittlerweile jedem ein Begriff. Auch dass es aus Indien kommt. Wie bist du dazu gekommen, das in Frage zu stellen und hast Kemetic Yoga entdeckt?

Ich bin einigen schwarzen Yoginis und Yogis auf Instagram gefolgt und habe wunderschöne Posen gesehen, die mich an die Abbildungen der alten ägyptischen Götter und Göttinnen erinnert haben. Sehr gradlinig, symmetrisch und erhaben. Ich habe immer wieder den Hashtag #kemeticyoga oder #smaitawi gesehen, angefangen im Internet zu recherchieren und mir dann Bücher bestellt, beispielsweise von den Autoren Muata Ashby und Babacar Khane.

Foto by Konstantin Konga

Foto by Konstantin Konga

Seit meiner frühsten Kindheit bin ich vom alten Ägypten fasziniert und mein Herz hat sich aufgetan als ich diese Faszination mit meiner Leidenschaft Yoga verbinden konnte. Und ich war und bin sehr glücklich und dankbar darüber, einen eher unbekannten Teil meines afrikanischen Erbes gefunden zu haben. Dadurch ist Kemetic Yoga sehr empowernd für mich. Afrika ist die Wiege der Menschheit und ebenfalls der Ursprung vieler Kulturen, der Naturwissenschaft und spiritueller Prinzipien. Somit war es für mich wenig überraschend eine Verbindung vom indischen Yoga nach Afrika zu entdecken. Es war im Winter 2015 als ich meinen ersten intensiven Kontakt mit Kemetic Yoga hatte.

Was ist Kemetic Yoga und was ist der Unterschied zum indischen Yoga?

Bei Yoga, welches der Westen als traditionell indisch kennt, geht es darum alle Begrenzungen hinter sich zu lassen und eins zu werden mit dem Göttlichen; kurz gefasst geht es um Einheit und Harmonie. Dieses Ziel wird durch ein praktisches Übungssystem angestrebt welches Atemübungen, Verhaltenskodexe, Körperübungen, Reinigungstechniken und Reinigungsübungen, sowie Meditation enthält. In Kemet, dem alten Ägypten gab es ähnliche Bemühungen. Hier wurde als Ziel gesetzt das persönliche Niedere-Selbst und das Höhere-Selbst zu verschmelzen, Dualitäten aufzulösen, um sich so mit dem Universellem, dem Göttlichen verbinden zu können. Auch hier wurde dies durch Atem- und Körperübungen, Verhaltenskodex (42 Gesetze der Maat) und Meditation angestrebt.

Die Übungen des kemetischen Yogas sind akkurat und präzise und haben eine innewohnende Einfachheit, welche viele Personen überrascht, die Yoga aus dem indischen Kontext mit einigen akrobatischen und kontornistischen Übungen kennen. Die kemetische Bezeichnung für dieses Übungssystem war Smai Tawi. Heutzutage wird es häufig Kemetic Yoga genannt. „Kemetic“ stellt den Bezug zum alten Ägypten her und unter „Yoga“ kann sich die Mehrheit etwas vorstellen. Da beide Disziplinen das gleiche Ziel mit einem ähnlichen System verfolgen und sich Yoga aus dem Smai Tawi entwickelt hat - erste Aufzeichnungen von Smai Tawi 5000 v.Chr. und von Yoga 800 v.Chr. - finde ich persönlich den Begriff „Kemetic Yoga“ angemessen für dieses alte System in unserer modernen Zeit.

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“Afrika ist die Wiege der Menschheit und ebenfalls der Ursprung vieler Kulturen, der Naturwissenschaft und spiritueller Prinzipien. Somit war es für mich wenig überraschend eine Verbindung vom indischen Yoga nach Afrika zu entdecken.”

Welche Adinkras sind im Logo zu sehen?

Es sind vier Adinkras: Wawa Aba, Tabono, Adinkrahene und Awurade Baatanfo.

Was bedeuten sie?

Wawa Aba symbolisiert Ausdauer und Durchhaltevermögen, das Tabono Symbol steht für Zusammenarbeit, Adinkrahene steht für Größe und Charisma und das Adinkra Awurade Baatanfo bedeutet Gott, die Mutter und ist des Weiteren das Symbol des nuturing spirit und des weiblichen Anteils des göttlichen Schöpfers.

Bedeutungen, die auch Teil der Philosophie von YOGA KONGA sind. Zusammenarbeit, Größe, Charisma spiegeln sich in der Entscheidung wider, dass YOGA KONGA eine nachhaltige Marke ist. Ein großer Faktor für eine Textilmarke sind die Materialien aus denen die Kollektionen gefertigt werden.

Das stimmt. Wir haben uns für Bio Bambus entschieden. Bambus ist ein natürlicher und sehr schnell nachwachsender Rohstoff. Bambus hat jedoch noch viele weitere Vorteile: beim Anbau werden keine Pestizide und Insektizide benötigt, Regen reicht als Wasserzufuhr, Bambus kann sehr dicht gepflanzt werden, er braucht also nur wenig Land zum wachsen, er produziert 30% mehr Sauerstoff und absorbiert mehr CO2 als Bäume und kann bis zu einem Meter am Tag wachsen.

Um hochwertigen Bambusstoff herzustellen wird ein Prozess genutzt, in dem ein nicht-toxischer Löser den hölzernen Bambus aufspaltet. Der zerstückelte Bambus wird von dem Löser durchtränkt, um Zellulose zu produzieren. Sobald die Zellulose Faser entstanden ist wird das gesamte Wasser und der Löser abgelassen und später wieder verwendet. Der ganze Prozess ist umweltfreundlich und wird in einem geschlossenen Kreislauf betrieben. Keine Rückstände vom Löser bleiben an der Bambus Faser haften, da dieser sehr einfach ausgewaschen wird.

Wie sieht es mit der Färbung aus? 

Der Stoff wird mit wertvollem, natürlichem Indigo gefärbt, welches von lokalen Farmern bezogen wird. Das erzielte Blau kann leicht variieren, je nach Indigo-Ernte. Man hat also immer ein einzigartiges Produkt in der Hand. Die Färbung ist reines Kunsthandwerk und beruht auf traditionellen tie-dye Techniken aus Westafrika.

Die Indigopfflanze wird seit Jahrhunderten in der traditionell afrikanischen Medizin verwendet. Moderne Untersuchungen haben die entzündungshemmenden und Arthritis-lindernden Eigenschaften belegt. Traditionell werden Wunden, Magen-Darm-Beschwerden und Entzündungen mit der Indigopflanze geheilt und sie wird Frauen während und nach der Geburt verabreicht. Die Indigopflanze kann auch als Aphrodisiakum eingenommen werden. Die heilenden und schützenden Eigenschaften können sich mit der Färbung auf den Stoff übertragen. Und da wir über unser größtes Organ, die Haut, viel aufnehmen, ist es super einen Stoff mit so guten „Inhaltsstoffen“ zu tragen.

Foto by Konstantin Konga

Foto by Konstantin Konga

Eine Frage noch zum Schluss; wie hat es mit dir und dem Yoga begonnen?

In meinen frühen Jugendjahren habe ich oft den Begriff Yoga gehört und habe mir darunter etwas sehr Mystisches und Geheimnisvolles vorgestellt. Es klang sehr interessant für mich, aber es hat noch gedauert bis ich das erste Mal beim Yogaunterricht war. Das war mit Anfang 20. Eine Freundin hatte mich gefragt, ob ich Lust habe an einem Yogaseminar teilzunehmen. Ich war sofort dabei und wusste seitdem, dass das ein Thema in meinem Leben ist mit dem ich sehr viel und intensiv Zeit verbringen möchte.


Das Interview wurde geführt von
atelier / naau und CURL freundlicherweise zur Verfügung gestellt.

In der Reihe “CURL presents” stellt sich YOGA KONGA in einem Blogbeitrag vor, der hier zu lesen ist.