Im Interview mit Adelaide - Gründerin von Unrefined Riches

Adelaide - Gründerin von Unrefined Riches

Adelaide - Gründerin von Unrefined Riches

Es ist Ende August und wir stehen vier Wochen vor der ersten CURL Convention im Säälchen in Berlin. Wir haben uns mit der inspirierenden Adelaide zusammengesetzt, die im vergangenen Jahr Unrefined Riches gründete um ihr ein paar persönlichere Fragen zu ihrer Person und ihrer Brand zu stellen.

Du hast Unrefined Riches verhältnismäßig jung gegründet, wann hattest du zum ersten Mal die Idee und warum?

Ich spielte schon seit meinem 18. Lebensjahr mit dem Gedanken ein eigenes Kosmetikunternehmen zu gründen. Da mir dies jedoch viel zu groß und unerreichbar erschien, habe ich diesen Gedanken wieder verworfen. Im letzten Jahr fasste ich nach vielen Recherchen hinsichtlich Naturkosmetik und Selbstständigkeit dann doch den Entschluss es zu wagen. Grund für die Auseinandersetzung mit Kosmetik waren meine und die Erfahrungen weiterer schwarzer Frauen bzgl. der Kosmetikbranche in Deutschland. Als dunkelhäutige Frau war es oft schwer das richtige Make-Up und die richtigen Haut- und Haarpflegeprodukte zu finden. Zusätzlich kämpfte ich seit meiner Kindheit mit Hautproblemen für die meine Hautärzte keine Lösung sahen. Diese Umstände beeinträchtigten mein Selbstbewusstsein stark. Das letzte Statement von einem Hautarzt war, dass ich mich mit meinem Hautproblem abfinden solle, weil es bei schwarzer Haut nun mal so sei. Diese Antwort wollte ich nicht akzeptieren und beschäftigte mich mit der Hautfunktion, den Ursachen meiner Hautprobleme und Naturkosmetik. Nachdem meine Mutter mir Sheabutter aus Ghana mitbrachte, von der ich viel Positives gelesen hatte, fing ich an sie nach meiner Vorstellung hinsichtlich des Geruchs, der Konsistenz und weiteren wirkungsvollen Rohstoffen zu optimieren. Und siehe da: Nach wenigen Wochen verbesserte sich mein Hautbild. Während ich mich immer weniger schminkte, stieg mein Selbstbewusstsein wieder an. Voller Begeisterung weihte ich Familie, Freunde und Bekannte in mein neu entdecktes Skin Care Secret ein, das auch sie ausprobierten. Nachdem sie dann ebenfalls von ihren positiven Veränderungen angetan waren, wusste ich, dass ich damit auch anderen Frauen helfen konnte, die ebenfalls unter Hautproblemen litten, damit sie sich wieder in ihrer Haut wohlfühlen können.

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Du erwähnst auf deiner Website deine früheren Schwierigkeiten mit deiner Haut, was war da los und womit hing das zusammen?

Nun von klein auf litt ich an einer Sonnenallergie (PLD), die in Ekzemen resultierte, an Rosacea, zwischenzeitlich an sehr unreiner Haut und späteren dark spots, sowie Hyperpigmentation/Melasma. Die Ursachen einer Sonnenallergie sind bis heute unbekannt. Da meine Haut durch die Sonneneinstrahlung beschädigt war, machte sich zwischenzeitlich auch Rosacea bei mir bemerkbar. Zusätzlich litt ich an Melasmen in meinem Gesicht. Melasma bezeichnet die Bildung größerer schwarzer Flecken im Gesicht. Diese können vererbt, durch ein hormonelles Ungleichgewicht und eine beschädigte Haut verstärkt werden, was bei mir der Fall war. Und als wenn dies nicht schlimm genug gewesen wäre plagte mich kurze Zeit auch eine stark unreine Haut. Grund hierfür war eine ungesunde Ernährung und die falschen Hautpflegeprodukte.

Was waren deine Erfahrungen als junge, schwarze Frau in Deutschland ein Unternehmen zu gründen? War das schwierig? Was gab es für Hindernisse?

Hindernisse, weil ich eine junge schwarze Frau bin, gab es ehrlich gesagt nicht. Die Hindernisse ergaben sich eher dadurch, dass es im Internet und in den Bibliotheken leider keine Infos bzgl. der Gründung eines Kosmetikunternehmens gab. Ich musste sehr viel Zeit in Recherchen und Termine stecken, um herauszufinden, wie man das Ganze überhaupt startet. Dadurch habe ich mir anfangs leider auch viele Fehler erlaubt, für die ich letzten Endes jedoch dankbar bin, da ich aus ihnen lernen konnte. Außerdem glaube ich daran, dass durch die Bewältigung bestimmter Herausforderungen auch anderen Menschen geholfen werden kann, die den gleichen Weg einschlagen wollen. Momentan tausche ich mich oft mit einer schwarzen Frau aus, die ebenfalls Kosmetikprodukte entwickeln möchte und gebe meine gemachten Erfahrungen weiter.

Du hast ghanaische Wurzeln, in welchem Zusammenhang stehen die zu deinen Produkten?

Dadurch, dass ich ursprünglich aus Ghana komme, war Sheabutter kein unbekannter Rohstoff für mich. Das Wissen über die positive Wirkungsweise dieser Butter sammelte ich jedoch erst später und da kam es mir natürlich gelegen, dass ich Verbindungen nach Ghana hatte und den Rohstoff direkt von dort beziehen konnte.

Hast du 3 #CURLTipps zur Haut-und Haarpflege, die du mit unserer CURL- Community teilen möchtest?

Na klar! An meine Black Queens: „Please use sun protection.” Zwar können wir länger in der Sonne Zeit verbringen ohne einen Sonnenbrand zu erleiden, jedoch kann ungeschützte Haut dazu führen, dass unschöne Dark spots entstehen und die Hautbarriere beschädigt wird. Diese Erkenntnis hat mir bei meiner Skin Care Journey sehr geholfen. Des Weiteren sollte man beim Kauf von Kosmetikprodukten immer auf natürliche Inhaltstoffe setzen. Viele künstliche Inhaltstoffe werden mit Hautirritationen und Beeinträchtigung des Immunsystems in Verbindung gebracht. Und als letzter Tipp: Investiere auch mal mehr in gute Hautpflegeprodukte, denn die Kosten für die Behandlung negativer Ergebnisse durch schlechte Hautpflegeprodukte sind viel höher. Die Verwendung von guten Skin Care Produkten in der richtigen Reihenfolge erhöhen die Effektivität enorm. In der Regel ist die sinnvollste Reihenfolge: Cleanser, Toner, (Masken und Peelings,) Serum, Creme, Sonnenschutz. Viele weitere Tipps & DIYs habe ich in meinem kostenlosen Glow Guide zusammengeschrieben.

Du erwähnst immer wieder, dass du mit deinen Produkten das Selbstbewusstsein von Frauen stärken willst, woher kommt dieser Wunsch und warum glaubst du, dass das gerade heute und vor allem auch für schwarze Frauen in Deutschland so wichtig ist?

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“… representation matters ...”

Nun der Wunsch kommt daher, dass durch meine Skin Struggles keine passenden Pflegeprodukte zu finden und der mangelnden Repräsentation von schwarzen Frauen in unserer Gesellschaft mein Selbstbewusstsein sehr eingeschränkt war. Ich möchte gar nicht vertiefen wie viele Chancen und schöne Erlebnisse mir dadurch entgangen sind. Es ist wirklich kein schönes Gefühl sich selbst nicht zu lieben und vor allem als schwarze Frau, wurde einem früher vermittelt, dass man nicht so hübsch war wie ein hellhäutiger Mensch. Seien es die zu großen Lippen, die krausen Haare oder die kurvige Figur. Alles Eigenschaften, die heutzutage übrigens „in“ sind. Ich finde außerdem, dass vor allem der deutsche Markt schwarze Frauen zu selten repräsentiert, geschweige denn Produkte für unsere Bedürfnisse bereitstellt. But representation matters, weshalb ich es so toll finde, dass neben meinem Unternehmen auch viele andere Businesses die schwarze Frau und ihre Schönheit öffentlich wertschätzen.

Was bedeutet es für dich dein eigenes Unternehmen zu haben?

Ein eigenes Unternehmen zu haben bedeutet für mich eine Verantwortung innerhalb der Gesellschaft zu haben und dazu beizutragen sie nachhaltig zu verbessern. Momentan arbeite ich neben meinem Unternehmen noch Vollzeit als Buchhalterin und studiere berufsbegleitend BWL & Wirtschaftspsychologie um noch mehr Wissen für mein Unternehmen zu sammeln und mein „Baby“ natürlich noch finanziell abzusichern. Zu wissen, dass ich ein eigenes Unternehmen führe und dieses wachsen wird, löst in mir Freude aus, da ich neben meinem Wunsch, die deutsche Kosmetikindustrie positiv zu verändern auch die finanzielle Unabhängigkeit und viele weitere Möglichkeiten zur Verbesserung der Gesellschaft sehe.

Warum ist deiner Meinung nach die CURL Convention so wichtig und was hat dich dazu bewegt als Ausstellerin mitzumachen?

Ich habe bis jetzt noch nicht erlebt, dass verschiedene Black Businesses an einem Strang ziehen um etwas Großes zu schaffen. Viele Schwarze wissen nicht einmal, dass es in unserer Community erfolgreiche Businesses gibt. Auch hier gilt also die Devise „Representation matters.“ Wir sollten uns alle gegenseitig upliften und ich finde, dass die CURL Con die Aspekte Representation, Upliftment und Value mit dem Event sehr gut darstellt und ausdrückt.

Möchtest du unserer CURL-Community noch etwas mitgeben?

Ja: Investiert in euch selbst. Das gilt nicht nur für die Haut- und Haarpflege, sondern auch für die Gesundheit deines Körpers, dein Wissen, dein Glück, deine Persönlichkeitsentwicklung und deine Selbstverwirklichung. Du hast nur einen Körper und eine begrenzte Zeit auf dieser Erde, also mach das Beste draus.

www.unrefinedriches.com
Instagram: @unrefinedriches, @adelaidewolters

Interview & Edit: Jaide Fuchs

Nana Addison